Der Schwarmtrieb gehört ganz selbstverständlich zum Leben eines Bienenvolkes. Anders als viele denken, entscheidet nicht die Königin allein darüber. Das Volk trifft diese Entscheidung als Gemeinschaft, wenn es groß genug geworden ist und ausreichend Futterreserven angelegt wurden.
Zur Vorbereitung legt die bestehende Königin Eier in spezielle Königinnenzellen. Darin wachsen mögliche Nachfolgerinnen heran. Sobald diese Zellen verdeckelt sind, verlässt die alte Königin mit ungefähr einem Drittel des Volkes die Beute. Für das ursprüngliche Volk ist das kein Zusammenbruch, sondern ein geordneter Neubeginn.
Was passiert beim Schwärmen?
Nachdem der Schwarm die Beute verlassen hat, setzt er sich meist zunächst in der Nähe als dichte Traube an einen Ast, Zaun oder anderen geeigneten Platz. Dort sammeln sich die Bienen um ihre Königin und warten auf die nächste Entscheidung.
Währenddessen ziehen sogenannte Scouts aus. Diese Kundschafterinnen suchen nach einem neuen Zuhause wie etwa einer geeigneten Höhle oder einem anderen geschützten Hohlraum. Mehrere Möglichkeiten werden geprüft, verglichen und dem Schwarm mitgeteilt.
Die Wahl des neuen Nistplatzes wird dabei demokratisch getroffen. Viele einzelne Bienen tragen mit ihren Beobachtungen zur Entscheidung bei, bis sich das Volk auf den besten gefundenen Ort einigt. Erst dann fliegt der gesamte Schwarm geschlossen ab, um dort ein neues Volk aufzubauen.
Und was passiert im alten Volk?
Das zurückbleibende Volk ist in der Regel weiterhin stark genug und hat genug Vorräte, um weiterzumachen. Aus den vorbereiteten Königinnenzellen schlüpft eine neue Königin, die nach ihrer Begattung die Eiablage übernimmt. So kann das Restvolk am bisherigen Standort bestehen bleiben.
Für die Bienen ist das Schwärmen also keine Katastrophe, sondern die natürliche Vermehrung des ganzen Volkes. Ein Volk teilt sich, und aus einem werden zwei neue Anfänge.
Warum haben Schwärme es in der Natur so schwer?
Auch wenn Schwärmen ein natürlicher Vorgang ist, überleben Bienenschwärme in unserer Landschaft oft nicht lange. Es ist schwer, eine wirklich geeignete Behausung zu finden, die genug Schutz vor Wetter und Feinden bietet. Dazu kommt, dass ein frei lebender Schwarm keine imkerliche Behandlung gegen die Varroamilbe und andere Bedrohungen erhält.
Deshalb schaffen es viele Schwärme in der Natur nicht durch den Winter. Was romantisch und wild aussieht, bedeutet für die Bienen oft einen sehr unsicheren Start.
Was machen wir bei einem Schwarm?
Wir fangen in Zusammenarbeit mit dem Mülheimer Imkerverein Bienenschwärme ein und geben ihnen ein neues Zuhause. So bekommen diese Bienen die Chance, sich in einer geeigneten Beute zu entwickeln und weiterzuleben.
Besonders wichtig ist uns dabei auch die Aufklärung: Ein Bienenschwarm ist absolut ungefährlich. Schwärme müssen weder Brut noch Futter verteidigen und sind deshalb meist ausgesprochen friedlich. Wer also einmal eine summende Bienentraube im Garten oder an einem Baum entdeckt, sollte Ruhe bewahren und fachkundige Hilfe rufen, statt Angst zu haben.
Wenn ihr einen Schwarm entdeckt, kontaktiert entweder uns über unsere Kontaktseite oder direkt einen der Schwarmfänger des Mülheimer Imkervereins. So kann der Schwarm sicher eingesammelt und in ein neues Zuhause gebracht werden.