In jedem Bienenvolk lebt eine Königin. Sie ist jedoch keine Herrscherin, die Befehle gibt. Ein Bienenvolk funktioniert als fein abgestimmtes Zusammenspiel aus Königin, Arbeiterinnen und – je nach Jahreszeit – Drohnen.

Die wichtigste Aufgabe der Königin ist die Eiablage. Aus ihren Eiern entstehen Arbeiterinnen, Drohnen und bei Bedarf auch neue Königinnen. In der Hauptsaison kann eine leistungsfähige Königin 2000 Eier pro Tag legen. Damit bestimmt sie wesentlich, wie stark sich ein Volk entwickelt und ob genug junge Bienen für Brutpflege, Wabenbau, Sammelflug und Wintervorbereitung vorhanden sind.

Warum ist die Königin so wichtig?

Die Königin ist die Mutter aller Bienen im Volk. Ohne sie fehlt langfristig der Nachwuchs. Anfangs fällt das nicht immer sofort auf, denn vorhandene Arbeiterinnen halten das Volk noch eine Zeit lang am Leben. Fehlt aber eine legende Königin, wird das Brutnest kleiner, es schlüpfen keine jungen Bienen mehr nach und das Volk verliert seine Zukunft.

Zusätzlich hält die Königin das Volk über Duftstoffe, sogenannte Pheromone, zusammen. Diese Signale zeigen den Arbeiterinnen: Die Königin ist da und das Volk ist weiselrichtig. Wird dieses Signal schwächer oder fehlt es ganz, reagieren die Bienen schnell. Sind noch sehr junge Larven vorhanden, können sie eine neue Königin nachziehen.

Königin, Arbeiterin oder Drohn – wie entscheidet sich das?

Alle weiblichen Bienen entstehen aus befruchteten Eiern. Ob daraus eine Arbeiterin oder eine Königin wird, hängt vor allem davon ab, wie die Larve gepflegt, ernährt und untergebracht wird. Eine zukünftige Königin wächst in einer besonderen Zelle heran: der Weiselzelle oder Königinnenzelle.

Drohnen entstehen dagegen aus unbefruchteten Eiern. Sie sind die männlichen Bienen im Volk. Ihre Aufgabe ist die Begattung junger Königinnen. Nektar sammeln, Brut pflegen oder Waben bauen übernehmen sie nicht.

Mehr als nur Gelée royale: Die besondere Königinnenzelle

Lange wurde die Entwicklung einer Bienenkönigin vor allem mit dem besonderen Futtersaft Gelée royale erklärt. Eine Larve, die zur Königin werden soll, wird anders versorgt als eine spätere Arbeiterin. Neue Forschung zeigt jedoch: Das Futter ist nur ein Teil der Geschichte.

Ein Forschungsbericht der University of California Riverside und ein Artikel auf science.ORF.at beschreiben, dass spezielle junge Arbeiterinnen am Bau der Königinnenzellen beteiligt sind. Diese „Königinnenzellenbauerinnen“ sind meist jünger als andere Baubienen und schaffen für die Königinnenlarve eine besondere Umgebung. Ihre Brusttemperatur liegt höher, etwa bei 40 °C, und sie verändern das verwendete Wachs aktiv.

Darstellung zur neuen Forschung über Königinnenzellen

Die Weiselzelle ist also nicht einfach nur eine größere Kinderstube. Das Wachs unterscheidet sich chemisch und physikalisch von normalem Arbeiterinnenwachs. Es ist unter anderem weniger dicht, biegsamer und kann Wärme und Feuchtigkeit anders halten. Dadurch entsteht ein besonderes Mikromilieu, das die Entwicklung einer gesunden Königin unterstützt.

In Versuchen entwickelten sich Königinnenlarven zwar auch in Zellen aus normalem Arbeiterinnenwachs weiter, die daraus geschlüpften Königinnen waren jedoch kleiner und überlebten seltener. Für uns Imker ist das ein faszinierender Hinweis darauf, wie fein abgestimmt ein Bienenvolk arbeitet: Eine gute Königin entsteht durch Futter, Pflege, Wärme, Wachs, Zellbau und das Zusammenspiel des ganzen Volkes.

Der Hochzeitsflug

Eine junge Königin bleibt nach dem Schlupf nicht dauerhaft im Stock. Nach einer kurzen Reifezeit verlässt sie bei geeignetem Wetter das Volk zu einem oder mehreren Begattungsflügen. Dabei fliegt sie zu Drohnensammelplätzen, an denen sich Drohnen aus vielen Völkern sammeln.

Dort paart sie sich mit mehreren Drohnen. Den Samen speichert sie in ihrem Körper und nutzt ihn über lange Zeit zur Befruchtung ihrer Eier. Durch die Paarung mit mehreren Drohnen entsteht genetische Vielfalt im Volk. Diese Vielfalt hilft dem Bienenvolk, flexibel auf unterschiedliche Aufgaben und Umweltbedingungen zu reagieren.

Was passiert, wenn ein Volk eine neue Königin braucht?

Bienen können selbst eine neue Königin aufziehen, wenn sehr junge weibliche Brut vorhanden ist. Die Arbeiterinnen bauen dann Weiselzellen und versorgen ausgewählte Larven besonders intensiv. Eine neue Königin entsteht zum Beispiel, wenn die alte Königin verloren gegangen ist, wenn sie schwächer wird oder wenn sich das Volk vermehren möchte.

Im Frühjahr und Frühsommer spielt auch der natürliche Schwarmtrieb eine Rolle. Wird ein Volk sehr stark, kann es sich teilen. Die alte Königin zieht mit einem Teil der Bienen als Schwarm aus, während im ursprünglichen Volk junge Königinnen heranwachsen. Für die Bienen ist das natürliche Vermehrung, für uns Imker aber ein wichtiger Punkt in der Völkerführung.

Königinnen und Zucht: Warum Sanftmut und Schwarmträgheit zählen

Für eine Imkerei ist die Königin nicht nur biologisch wichtig, sondern auch züchterisch. Viele Eigenschaften eines Volkes hängen mit ihr und ihrer Begattung zusammen: Sanftmut, Wabensitz, Schwarmneigung, Vitalität und Honigleistung.

Bei Pott-Biene achten wir besonders auf sanftmütige, gut zu führende und schwarmträge Völker. Ruhige Bienen lassen sich schonender bearbeiten, stören ihre Umgebung weniger und sind angenehmer im Umgang. Schwarmträgheit ist ebenfalls wichtig, weil stark schwarmfreudige Völker schwieriger zu führen sind und Sammelstärke verlieren können.

Darum schauen wir bei der Nachzucht genau hin: Welche Völker bleiben ruhig auf den Waben? Welche entwickeln sich gesund? Welche zeigen wenig Schwarmtrieb? Und welche bringen zugleich eine gute Honigleistung?

Die Königin sieht man nicht immer – ihre Wirkung schon

Bei einer Durchsicht muss man die Königin nicht jedes Mal sehen. Häufig reicht ein Blick auf das Brutnest. Sind frische Eier, junge Larven und verdeckelte Brut vorhanden, ist das ein gutes Zeichen. Es zeigt, dass eine Königin vorhanden ist und legt.

Ein schönes, geschlossenes Brutnest ist für Imker ein wichtiger Hinweis auf eine leistungsfähige Königin. Lücken im Brutnest können verschiedene Ursachen haben: Alter der Königin, Krankheiten, Futterversorgung, Wetter, Trachtlage oder Störungen im Volk. Deshalb wird ein Bienenvolk immer als Ganzes beurteilt.

Wie alt wird eine Königin?

Eine Bienenkönigin kann deutlich älter werden als eine Arbeiterin. Während Sommerbienen nur wenige Wochen leben, kann eine Königin mehrere Jahre alt werden. In der imkerlichen Praxis lässt ihre Legeleistung mit der Zeit jedoch oft nach. Dann ersetzt das Volk die Königin selbst, oder der Imker entscheidet sich für eine gezielte Umweiselung.

Ziel ist nicht, ständig einzugreifen, sondern gesunde, vitale und gut angepasste Völker zu erhalten. Eine gute Königin ist die Grundlage für ein starkes Volk – aber sie bleibt immer Teil eines größeren Ganzen.

Königinnen zeichnen: Farben helfen bei der Kontrolle

Viele Imker zeichnen ihre Königinnen mit einem kleinen farbigen Punkt auf dem Rückenschild. Das schadet der Königin nicht, wenn es vorsichtig und fachgerecht gemacht wird, und erleichtert die Arbeit am Bienenvolk erheblich. Eine gezeichnete Königin lässt sich bei der Durchsicht schneller finden. Außerdem erkennt man sofort, aus welchem Jahr sie stammt.

Dafür gibt es ein internationales Farbschema, das sich alle fünf Jahre wiederholt:

Weiß: Jahre mit Endziffer 1 oder 6
Gelb: Jahre mit Endziffer 2 oder 7
Rot: Jahre mit Endziffer 3 oder 8
Grün: Jahre mit Endziffer 4 oder 9
Blau: Jahre mit Endziffer 5 oder 0

Markierte Bienenkönigin mit Farbpunkten Weitere markierte Bienenkönigin zur Kontrolle im Volk

Eine Königin aus dem Jahr 2026 wird also weiß gezeichnet, eine Königin aus 2027 gelb. Diese einfache Kennzeichnung hilft, Alter, Leistung und Entwicklung eines Volkes besser im Blick zu behalten.

Fazit

Die Bienenkönigin ist keine Herrscherin mit Krone, sondern das stille Zentrum des Bienenvolks. Sie sorgt für Nachwuchs, gibt wichtige Duftsignale ab und prägt mit ihrer Genetik viele Eigenschaften des Volkes. Ohne Arbeiterinnen wäre sie hilflos, ohne Königin hätte das Volk keine Zukunft.

Die neue Forschung zu den spezialisierten Königinnenzellenbauerinnen zeigt, wie komplex die Entstehung einer Königin wirklich ist. Nicht nur Gelée royale entscheidet, sondern auch Pflege, Wärme, spezielles Wachs und die besondere Umgebung der Weiselzelle.

Gerade dieses Zusammenspiel macht die Honigbiene so faszinierend: Tausende einzelne Tiere bilden gemeinsam einen Organismus, in dem jede Aufgabe zählt. Die Königin steht dabei nicht über dem Volk – sie ist ein unverzichtbarer Teil davon.