Honigbienen
Honigbienen durchlaufen im Laufe eines Jahres verschiedene Phasen, die eng mit den Jahreszeiten, dem Wetter und dem jeweiligen Nahrungsangebot verbunden sind. Das Bienenvolk passt dabei Brutumfang, Volksstärke und Sammelaktivität ständig an die Bedingungen an. Honigbienen halten keinen Winterschlaf. Sie überwintern als Volk und leben in dieser Zeit von ihren eingelagerten Vorräten.
Dezember/Januar
Mit der Wintersonnenwende um den 21. Dezember werden die Tage wieder länger. Ab diesem Zeitpunkt beginnt sich das Bienenvolk langsam auf die kommende Saison vorzubereiten. Viele Bienenvölker beginnen – abhängig von Witterung, Volksstärke und anderen Bedingungen – bereits im Januar wieder mit kleinen Brutflächen. Sobald Brut vorhanden ist, steigt der Energiebedarf des Volkes. Im Brutbereich halten die Arbeiterinnen eine Temperatur von ungefähr 34–35 °C aufrecht. Die Königin legt Eier, aus denen sich innerhalb von 21 Tagen neue Arbeiterinnen entwickeln. Noch lebt das Volk dabei vollständig von seinen eingelagerten Vorräten.
Februar/März
Die neue Bienensaison beginnt langsam. Mit längeren Tagen und geeigneten Wetterbedingungen werden die Bienen außerhalb des Stocks wieder aktiver. Die Brutflächen wachsen und mit ihnen steigt auch der Bedarf an Futter. Frühblüher liefern nun den ersten frischen Pollen. Zu den wichtigen frühen Pollenquellen gehören beispielsweise Hasel und Erle, später folgen unter anderem Krokusse, Weiden und weitere Frühblüher. Pollen liefert wichtige Eiweiße und andere Nährstoffe für die Aufzucht der Brut. Nektar beziehungsweise die noch vorhandenen Futtervorräte dienen vor allem als Energiequelle. Ab etwa 8 bis 10 °C sind bei geeigneten Bedingungen zunehmend Ausflüge zu beobachten. Die Temperatur allein entscheidet dabei allerdings nicht: Sonne, Wind, Niederschlag und das vorhandene Blütenangebot beeinflussen die Flugaktivität ebenfalls deutlich. An sonnigen und windgeschützten Standorten können einzelne Bienen auch bei niedrigeren Temperaturen unterwegs sein. Auch die ersten Reinigungsflüge finden jetzt statt. Dabei verlassen die Bienen nach längeren Phasen im Stock die Beute, um ihre Kotblase zu entleeren.
April bis Juni
Jetzt wächst das Bienenvolk besonders stark. Das Volk wächst im Frühjahr rasant – von etwa 3.000 bis 5.000 Bienen im Winter auf bis zu 40.000 im Sommer. Gleichzeitig werden wieder Drohnen – die männlichen Bienen – aufgezogen. Immer mehr Arbeiterinnen stehen für Brutpflege, Wabenbau und Sammelflüge zur Verfügung. Entsprechend stark kann jetzt auch der Eintrag von Nektar und Pollen zunehmen. Mit zunehmender Volksstärke beginnt außerdem die natürliche Schwarmzeit. Gerät ein Volk in Schwarmstimmung, werden Schwarmzellen angelegt, in denen neue Königinnen heranwachsen. Kurz bevor die erste neue Königin schlüpft, kann die alte Königin mit einem Teil der Arbeiterinnen den Stock verlassen. Der Schwarm sucht anschließend eine neue Unterkunft, während im zurückbleibenden Volk eine junge Königin heranwächst. Das Schwärmen ist die natürliche Form der Vermehrung eines Honigbienenvolkes.
Mai und Juni
Für uns Imker ist dies meist die intensivste Zeit des Jahres. In unserem Einzugsgebiet können wir – abhängig vom Wetter und vom tatsächlichen Trachtangebot – häufig eine Frühjahrs- und später eine Sommerernte unterscheiden. Zur Frühtracht gehören bei uns unter anderem Obstblüten und weitere Frühjahrsblüher. Je nach Standort und Jahr können beispielsweise Raps, Ahorn, Rosskastanie oder Robinie eine Rolle spielen. Später folgt die Sommertracht, die in unserer Region häufig stark durch die verschiedenen Lindenarten geprägt wird. Als Imker versuchen wir, unterschiedliche Trachtzeiträume möglichst sinnvoll voneinander zu trennen. Welche Pflanzen tatsächlich den jeweiligen Honig geprägt haben, hängt jedoch immer vom Standort, vom Wetter, vom Blütenangebot des jeweiligen Jahres und auch vom einzelnen Bienenvolk ab. Selbst Völker, die nebeneinander stehen, können unterschiedliche Trachtquellen bevorzugen und dadurch unterschiedlich zusammengesetzte Honige einlagern.
Rund um die Sommersonnenwende
Ein wichtiger Wendepunkt im Bienenjahr. Um den 21. Juni, die Sommersonnenwende, werden die Tage wieder kürzer. Für das Bienenvolk bedeutet das allerdings nicht, dass die Saison schlagartig beendet ist. Je nach Wetter und Standort kann zu dieser Zeit noch eine bedeutende Sommertracht laufen – bei uns beispielsweise durch die Linde. Gleichzeitig verändert sich die Entwicklung des Volkes langsam. Nach dem Höhepunkt der Volksentwicklung nimmt der Brutumfang im weiteren Verlauf des Sommers wieder ab. Auch die Aufzucht von Drohnen verliert zunehmend an Bedeutung. Wann diese Veränderungen genau einsetzen, hängt stark von Tracht, Witterung, Volksstärke und Standort ab und lässt sich nicht auf einen einzelnen Kalendertag festlegen. Für uns Imker rücken nun nach und nach die letzten Honigernten und anschließend die Vorbereitung der Völker auf den kommenden Winter in den Vordergrund.
Ab Juli/August
Nach Abschluss der Honigernte beginnt ein besonders wichtiger Abschnitt des Bienenjahres. Nun müssen die Bienenvölker auf den Winter vorbereitet werden. Dazu gehören für uns insbesondere die Kontrolle und Behandlung der Varroamilbe sowie die Sicherstellung ausreichender Futtervorräte. Da wir einen Teil der eingelagerten Vorräte mit der Honigernte entnommen haben, erhalten die Völker geeignetes Winterfutter. Dafür werden in der Imkerei unter anderem spezielle Futtersirupe verwendet. Wie viel Winterfutter ein Volk benötigt, hängt unter anderem von Volksstärke, Beutensystem, Standort und Witterungsverlauf ab. Für Wirtschaftsvölker werden je nach Betriebsweise häufig Vorräte in einer Größenordnung von etwa 15 bis über 20 kg eingeplant. Entscheidend ist deshalb nicht ein pauschaler Wert für jedes Volk, sondern dass vor dem Winter ausreichend geeignetes Futter vorhanden ist. Bestimmte Honige, insbesondere größere Mengen Honigtau- oder Melezitosehonig, können als Winterfutter ungünstig sein. Geeignetes Winterfutter soll den Bienen dagegen eine sichere Versorgung während der langen trachtlosen Zeit ermöglichen. Mit zunehmender Brutaktivität gegen Ende des Winters und im Frühjahr steigt auch der Futterverbrauch wieder deutlich an.
Spätsommer und Herbst
Jetzt entstehen zunehmend die sogenannten Winterbienen. Im Gegensatz zu den kurzlebigeren Sommerbienen müssen Winterbienen das Volk über mehrere Monate hinweg erhalten. Sie besitzen einen besonders ausgeprägten Fettkörper, in dem unter anderem Eiweiße und Reservestoffe gespeichert werden. Gesunde Winterbienen sind deshalb eine wichtige Voraussetzung dafür, dass ein Bienenvolk gut durch den Winter und in das folgende Frühjahr kommt. Mit sinkenden Temperaturen und nachlassendem Trachtangebot reduziert sich die Aktivität außerhalb der Beute zunehmend.
Winter
Bei Kälte bilden die Bienen eine Wintertraube und erzeugen durch Muskelaktivität Wärme. Ohne Brut schwankt die Kerntemperatur, häufig um 20 °C. Der äußere Bereich der Wintertraube ist deutlich kühler. Die Bienen wechseln ihre Position, damit äußere Tiere nicht dauerhaft der Kälte ausgesetzt bleiben. Sobald das Volk Brut pflegt, hält es im Brutbereich ungefähr 34–35 °C aufrecht. Die Traube bewegt sich langsam entlang der Futtervorräte. Während längerer Kälteperioden bleiben die Bienen im Stock und sammeln ihre Ausscheidungen in der Kotblase. Bei etwa 8 bis 10 °C nutzen sie sonnige, windarme Tage für Reinigungsflüge. Im Winter sollten die Völker möglichst ungestört bleiben, da Unruhe den Energie- und Futterverbrauch erhöht. Wir prüfen hauptsächlich von außen, ob Fluglöcher frei sind und der Mäuseschutz funktioniert. Mit länger werdenden Tagen entstehen neue Brutflächen – ein neues Bienenjahr beginnt.